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Marco der Pole
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nach Breslau

Das Wichtigste. Schritt für Schritt. Breslau - kleiner Stadtführer

 

Unseren Spaziergang durch Breslau beginnen wir vom beeindruckenden Bahnhof aus. Nach dem Herausgehen aus der Haupthalle biegen wir nach links und kommen nach etwa 500 Metern zur Kreuzung der Pilsudski- und Swidnicka-Straße.


Ulica Swidnicka (Schweidnitzer Straße)

Wir biegen rechts in die Swidnicka-Straße ab und gelangen nun zum Tadeusz-Kosciuszko-Platz. Dieser entstand nach 1807, d.h. nach dem Abriss der dort stehenden Befestigungsanlagen. Die den Platz umgebenden Wohngebäude entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg in der Zeit des Wiederaufbaus der Stadt 1954 - 56 und bilden das bekannteste Architekturbeispiel des Sozrealismus in Breslau.

 Wir gehen weiter geradeaus und passieren auf der rechten Seite das mächtige Gebäude des Renoma-Kaufhauses bekannt in der Vorkriegszeit unter dem Namen Wertheim - eines der ausgezeichnetsten Beispiele der modernistischen Architektur der Zwischenkriegszeit. Nun durchqueren wir vor uns einen Grünstreifen, der entlang des ehemaligen Stadtgrabens und der äußeren Stadtmauern geht, und kommen auf das Gebiet der historischen Altstadt von Breslau. Das prachtvolle klassizistische Bauwerk zur Linken ist die Breslauer Oper, entworfen vom berühmten Architekten Carl Langhans (u.a. Autor des Brandenburger Tors in Berlin) und umgebaut in den Jahren 1837 - 1841.

 Das nächste Gebäude auf der linken Seite ist sehr geschichtsträchtig. Es handelt sich um das im Jahre 1892 im Art-Nouveau-Stil errichtete Hotel Monopol - zur damaligen Zeit eines der luxuriösesten in Breslau. Den Säulengang mit Balkon über dem Haupteingang des Hotels baute man im Jahre 1937 speziell dafür, dass Adolf Hitler von ihm aus eine Ansprache halten konnte. Im Monopol übernachteten u.a. Pablo Picasso, Marlene Dietrich, Jan Kiepura i andere berühmte Gäste der Stadt Breslau.

 Direkt hinter dem Hotel Monopol befindet sich die Stanislaus-Dorothea-Wenzel-Kirche, eine von zahlreichen großen dreischiffigen gotischen Ziegelsteinkirchen, welche für Breslau charakteristisch sind. Die Kirche wurde von Kaiser Karol IV als Andenken an das Breslauer Treffen des Kaisers mit dem polnischen König Casimier dem Großen gestiftet. Das Gotteshaus wurde den folgenden Märtyrern gewidmet: dem Krakauer Bischof Stanislaus, der deutschen Dorothea und dem tschechischen Wenzel. Die Kirche gehörte zuerst den Augustianern, dann den Franziskanern, diente aber seit dem Jahre 1707 als Pfarrkirche. Im Inneren befinden sich wertvolle Altäre. Der Hauptaltar ist ein Werk von J. Pohl und stammt aus dem Jahre 1720.

 Wir schlendern weiter die Swidnicka-Straße entlang, welche an dieser Stelle schon den Charakter einer Fussgängerzone besitzt, und gehen die Unterführung unter der Kazimierza-Wiekiego-Straße hindurch. Direkt beim Ausgang aus der Unterführung steht auf der rechten Seite eine kleine Skulptur eines schelmenhaft grinsenden Zwerges, welche zum Andenken an die Tätigkeit der berühmten Breslauer Happening-Künstlergruppe "Pomarańczowa Alternatywa" ("die Orangene Alternative") aufgestellt wurde. Am meisten Aufsehen erregte ihre Straßenaktionskunst, organisiert in Breslau in den achtziger Jahren - in der Zeit des zuendegehenden Kommunismus, wie: Der Vorabend der Oktoberrevolution, das Referendum, der Nikolaus, der Tag des Spitzels, die Revolution der Zwerge. Diese Happenings nahmen Bezug auf die damalige polnische Realität und ihre Themen waren meist offizielle politische Ereignisse, politische Sprüche, Feierlichkeiten aus Anlass von Jahrestagen und staatliche Feiertage. Diese Happening-Aktionskunst machte sich über das politische System lustig und zeigte durch Parodie seine Absurdität. Die Swidnicka-Straße gewinnt nun den Charakter eines verlängerten Platzes und einer eleganten Stadtpassage. Die Bebauung auf der linken Straßenseite stammt vom Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Gebäude auf der rechten Seite entstanden in der Zeit des Wiederaufbaus der Stadt nach den Kriegszerstörungen. Wir kommen nun zur südöstlichen Ecke des Markplatzes.



Rynek (Marktplatz)

Der Breslauer Marktplatz ist einer der größten Plätze in Polen (212 x 175 m). Angelegt wurde er Mitte des 13. Jahrhunderts und stellt seit jener Zeit das eigentliche Herz der Stadt dar. Von Anfang an standen um den Marktplatz herum 60 Häuser, und das ist bis zum heutigen Tage so geblieben. Das gegenwärtige Aussehen verdankt der Rynek seinem Umbau Mitte des 19. Jahrhunderts, als über die Hälfte der kleinen mittelalterlichen Häuser abgerissen wurde. An ihrer Stelle wurden neue Häuser errichtet, welche an die Anforderungen des kapitalistischen Handels angepasst wurden und nicht immer originalgetreu den durch den Krieg zerstörten entsprechen.

 Es lohnt sich, einmal ganz um den Marktplatz herumzugehen. Wir bleiben zuerst in der Verlängerung der Swidnicka-Straße im östlichen Teil des Marktplatzes stehen.
Das sich vor uns befindende Rathaus ist das bekannteste Breslauer Bauwerk. Gleichzeitig stellt es das am besten erhalten gebliebene und prächtigste gotische Rathaus in Polen dar. Sein Bau dauerte von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum 16. Jahrhundert. Auf der östlichen Seite des Rathaus befindet sich seine Hauptfasade mit Kapellenerker und reich verziertem Giebel wie auch einer astronomischen Uhr aus dem Jahre 1580. Die südliche Fassade schmücken drei Erker, verziert mit spätgotischen Steinmetzarbeiten und bedeckt mit Kupferhelmen. An der Seite befindet sich auch der Eingang zum ältesten Restaurant Europas - dem Piwnica Swidnicka (Schweidnitzer Keller). Der Rathausturm mit seinem Renaissancehelm hat eine Höhe von 67 Metern.

 Das Rathaus kann besichtigt werden. In seinem Inneren befindet sich das Museum für bürgerliche Kunst(Muzeum Sztuki Mieszczanskiej). Der momentan genutzte Haupteingang ist auf der westlichen Seite des Rathauses.

Tel. 3471693, geöffnet: Di.-Fr. 09.00 -17.00, Sa.-So. 10.00 - 18.00, Mo. geschlossen.
An das Rathaus grenzt ein Komplex klassizistischer Häuser, errichtet in der Mitte des Markplatzes im 19. Jahrhundert anstelle der hier früher stehenden Tuchhallen, Krämerläden sowie der großen und kleinen Wage.
Vor dem Rathaus steht die Kopie eines mittelalterlichen Prangers, an dem man bis zum Ende des 18. Jahrhunderts öffentlich Verbrecher bestrafte.

 Unter den Gebäuden auf der östlichen Seite des Marktplatzes, genannt einst die Grüne-Rohr-Seite, fallen zwei Warenhäuser im Sezessionsstil aus dem Jahre 1904 besonders ins Auge: Mit den Hausnummern 31-32 das Warenhaus der Gebrüder Barasch (heute Feniks), ein Projekt von Georg Schneider sowie das Warenhaus mit den Nummern 39-40 der Firma Louis Lewy, ein Projekt von Leon Schlesinger. Das die Häuserreiche abschließende Gebäude Zum goldenen Hund (Pod Zlotym Psem) entstand erst nach 1990 als das letzte wiederaufgebaute Haus am Marktplatz.

 

Wir gehen nun nach links und schlendern entlang der nördlichen Fassaden des Marktplatzes, damals bezeichnet als Naschmarkt-Seite. Unter anderem befinden sich hier drei Warenhäuser, gebaut nach den Projekten des Büros Schlesinger und Benedict im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts mit den Nummern 48, 49 und 50. Bei einem großen Teil der Häuser handelt es sich um freie Rekonstruktionen. Im Haus Zum Goldenen Anker (Pod Zlota Kotwica, Nr. 52) blieb im Inneren eine Renaissancesäule erhalten, wohingegen das Haus mit der Nummer 46 eine originale Sehenswürdigkeit aus der Barockzeit darstellt. An der nordwestlichen Ecke des Marktplatzes stehen zwei (d.h. eigentlich drei kleine ehemalige Altaristenhäuser(Betreuer des Altars). Die Reste der Häuser, welche einst mit einem geschlossenen Kranz den Friedhof der Sankt Elisabeth-Kirche umgaben und nun durch einen Torbogen miteinander verbunden sind, nennt man scherzhafter Weise Hänsel und Gretel.

 Erneut gehen wir nun nach links, und zwar entlang der westlichen Häuserzeile, einst genannt die Sieben-Kurfürsten-Seite. Hier stehen die meisten original erhalten gebliebenen Sehenswürdigkeiten - Häuser im Renaissance- und Manierismus-Stil mit gotischem Rumpf, denn diese Seite überstand den Zweiten Weltkrieg fast unbeschädigt. Die Häuser auf dieser Marktplatzseite gehörten den reichsten Patriziern. Besonders wertvoll ist das Gebäude Pod Gryfami (Nr. 2). Mit seinem hohen manieristischem Giebel ist es das prächtigste am Marktplatz. Das Haus Zu den Sieben Kurfürsten (Pod Siedmioma Elektorami, Nr. 8) fällt ins Auge aufgrund seiner reichlichen Verzierungen mit illusionistischer Malerei, rekonstruiert Anfang der neunziger Jahre.

 Anstelle der Häuser Nr. 9 bis 11 entstand 1931 nach einem Projekt von Heinrich Rump ein hohes Bürogebäude, welches durch seine Abmessungen, Modernität und schlichte Architektur den harmonischen Gesamteindruck des Marktplatz ruiniert. Auf dieser Seite des Marktplatzes fällt auch die Fontäne in der Form eines gläsernen Vorhangs aus dem Jahre 2000 auf.

Wir schauen uns nun die südliche Rynek-Seite an, die als Goldene-Becher-Seite bezeichnet wurde. Ihre Bebauung bildet im großen Maße eine freie Rekonstruktion aus den Jahren 1952-1960. Bei einem großen Teil der Gebäude handelt es sich um ehemalige Warenhäuser im Sezessions- oder Modernen Stil, versteckt hinter pseudohistorischen Fassaden. Das Gebäude mit der Nummer 13 - ein interessantes Beispiel des Sezessionsstils - beherbergt die Touristeninformation.
Es lohnt sich, das Denkmal für den Grafen Alexander Fredro - dem größten polnischen Komödiendichter - etwas näher anzuschauen. Sein Denkmal stand bis zum Zweiten Weltkrieg im Zentrum von Lemberg (Lwow). Nach dem Transport nach Polen wurde es in Breslau genau an der Stelle aufgestellt, an der vorher das Reiterdenkmal Friedrich Wilhelms III. gestanden hatte.


Plac Solny (Salzplatz)

Am südwestlichen Eck des Marktplatzes treffen wir auf den Salzplatz, auch Salzring genannt. Es handelt sich hierbei um einen ehemaligen mittelalterlichen Handelsplatz. Seit 1827 bis zum Zweiten Weltkrieg stand auf diesem Platz das Denkmal für den Feldmarschal Blücher und nach ihm war auch der Platz benannt(Blücherplatz). Der Salzplatz hatte zuerst eine Größe von 84,5 mal 94 m (270 mal 300 Fuß). Er entstand wahrscheinlich zur Zeit der erneuten Stadtgründung im Jahre 1242 nach dem Mongolensturm. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam der Platz seinen historischen Namen wieder, wobei der Sockel, des noch von den Deutschen demontierten Denkmals abgerissen wurde. 

Die Hälfte der Häuserzeile des südlichen Platzes nimmt das klassizistische Gemach der Alten Börse ein, ein Projekt von Ferdinand Langhans aus dem Jahre 1822. Auf der östlichen Seite befindet sich u.a. ein ehemaliges Warenhaus aus dem 20. Jahrhundert. An der am meisten differenzierten nördlichen Wand erhebt sich ein Hochhaus, gebaut in den Jahren 1930-1932 nach dem Projekt von Heinrich Rump. Es handelt sich um das Gebäude der ehemaligen Apotheke Pod Murzynem errichtet im Jahre 1928 von Adolf Rading im Stil des Modernismus sowie um weitere zwei Häuser: ein barockes aus dem Jahre 1700 und eines im Eklektizismus. Obwohl die westliche Häuserzeile den Eindruck macht, die älteste zu sein, ist sie eigentlich eine sehr freie, in den Jahren 1947-1958 getätigte Rekonstruktion des Zustandes, der um das Jahr 1800 herrschte. In einem der Häuser ist eine Konditorei, in der das beste Eis Breslaus verkauft wird. Auf dem Platz selber befindet sich ein Blumenmarkt. Wir verlassen den Platz und laufen die parallel zum Marktplatz verlaufende Kielbasnicza-Straße entlang und gelangen auf diese Weise zur St. Elisabeth-Kirche.

 Auf dem kleinen Platz vor der Kirche steht ein im Jahre 1999 eingeweihtes Denkmal für den in Breslau geborenen Dietrich Bonhoeffer.

Kościół St. Elisabeth - Kirche (Kościół św. Elżbiety)

 

Eine der größten Kirchen Breslaus, deren Silhouette den Breslauer Marktplatz dominiert. Gebaut wurde sie als Pfarrkirche aus Mitteln des Stadtrates und des Breslauer Bürgertums zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert als zweite Pfarrkirche in Breslau. Im 16. Jahrhundert wurde sie von den Protestanten übernommen und durch jene bis 1945 genutzt. Heute ist die Elisabeth-Kirche eine katholische Garnisonskirche. Trotz vieler Zerstörungen und Brände hat sie ihre gotische Gestalt bewahrt. Im Inneren können ein Altar aus der Gotik- und Renaissancezeit sowie zahlreiche Grabmäler des Breslauer Bürgertums, welche wertvolle Kunstdenkmäler darstellen, bewundert werden. Der 91 Meter hohe Turm kann bestiegen werden und von dort das prachtvolle Panorama Breslaus bestaunt werden.
Der Turm ist für Besucher täglich von 9 bis 16 Uhr, sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet.

 


Wir gehen weiter die Kielbasnicza-Straße entlang. Die schmale Straße auf der rechten Seite trägt den NamenJatki, abgeleitet von jatki - Metzgereien, welche es an dieser Stelle im 13. Jahrhundert gegeben haben soll. Mit der Zeit begannen die Metzger trotz Verbotes über den Metzgereien Wohnungen zu errichten. Die heutigen Gebäude der Metzgerein stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. In den ehemaligen Metzgereien sind gegenwärtig Galerien untergebracht. Am Ende der Gasse befindet sich ein kleines Denkmal für Schlachttiere. Es gibt dort ein Schweinchen, Gänschen, eine Ziege und noch andere Tiere - bei Kindern sehr beliebte Plastiken und eines der beliebtesten Fotomotive von Breslau.

 

Wir verlassen die Metzgereien und biegen von der Odrzanska-Straße aus nach links ab, gehen ein paar Schritte weiter nach rechts zur Kotlarska-Straße, die zur Kuznicza-Straße führt (zweite Querstraße). An der Kreuzung der Kotlarska- und Kuznicza-Straße gehen wir nach links und nach etwa 200 Metern gelangen wir schließlich zum Universitätsplatz.




Universität

 

Das sich vor uns erstreckende Hauptgebäude der Universität - ein monumentales barockes Bauwerk - entstand in den Jahren 1728 - 1742 an der Stelle, wo früher das Schloss der Breslauer Herzöge war. Die Fassade des Gebäudes misst eine Länge von 171 m. Im Inneren befinden sich wunderschöne repräsentative Säle, deren bekannteste die barocke Aula Leopoldina ist. Sie kann zusammen mit dem Mathematischen Turm und einer Tour auf die Aussichtsterrasse besichtigt werden (Mo., Di., Do. 10.30 - 15.30, Fr., So.11.00 - 17.00, Mi. geschlossen). Auf dem Platz vor der Universität steht die vor Anmut strotzende Skulptur eines Fechters aus dem Jahre 1904. An das Universitätsgebäude grenzt die Universitätskirche.




Name-Jesu-Kirche (Universitätskirche)
Eine der schönsten Barockkirchen in diesem Teil Europas. Sie wurde Ende des 17. Jahrhunderts für die Jesuiten erbaut, welche die Aufsicht über das Jesuitenkolleg ausübten. Nach der Sekularisierung des Ordens (1810) wurde aus dem Kolleg die Breslauer Universität. Auffällig ist die schöne, schlanke Gestalt der Kirche und ihr stark aufgliederter Vordergiebel. Die Kirche wurde während des Zweiten Weltkrieges nur zu 10% zerstört, daher blieben auch die Originalfresken im Gewölbe sowie die meisten Inneneinrichtungsgegenstände original erhalten. Heutzutage wird die Kirche als Universitätskirche genutzt.




Wir verlassen den Universitätsplatz und gehen an der Mauer der Universitätskirche entlang, bis wir dieSzewska-Straße erreichen. Vor uns taucht das Eckgebäude des ehemaligen Klosters Krzyzowcow z Czerwona Gwiazda heute Ossolineum auf. Das monumentale und repräsentative Gebäude ist das erste herausragende Werk des Breslauer Barocks aus den Jahren 1675 - 1715. Im gegenwärtigen Gebäude ist heutzutage das Ossolineum untergebracht.




Wir gehen nun nach rechts und an der nächsten Kreuzung nach links und weiter über den Bischof-Nankier-Platz. Auf der linken Seite sehen wir die Kirche der heiligen Klara und das Ursulinen-Kloster. Die ursprünglich gotische, dann Ende des 17. Jahrhunderts im Barockstil umgebaute Kirche wurde Mitte des 13. Jahrhunderts von der Fürstin Anna, der Witwe von Heinrich dem Frommen gestiftet. Die Fürstin Anna wurde in der St. Klara-Kirche beigesetzt und nach ihr auch alle nachfolgenden Vertreter der Breslauer Herzöge aus der Piastenlinie bis hin zum letzten Piastenherzog Heinrich VI. Die Kirche stellt daher eine ArtMausoleum der Breslauer Piasten dar. Die Kirche kann besichtigt werden. Die prächtige gotische Kirche neben der Klara-Kirche ist die St. Vincent-und-Jakob-Kirche.




St. Vincent-und-Jakob-Kirche

 

Noch eine der für Breslau charakteristischen gotischen Kirchen, gestiftet als romanisches Bauwerk von Herzog Heinrich dem Frommen für den Franziskaner-Orden in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Nach dem Tode des Herzogs in der Schlacht gegen die Mongolen bei Wahlstatt wurde der Herzog gerade in dieser Kirche beigesetzt. Die Kirche wurde an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert im Gotikstil umgebaut und im Krieg zu 75% zerstört. Die Rekonstruierungsarbeiten am Gotteshaus dauern bis zum heutigen Tage. Seit 1996 wird die Kirche als Kathedrale der Danzig-Breslauer Diozöse der Griechisch-Katholischen Kirche für Gottesdienste in ukrainischer Sprache genutzt. Es lohnt sich kurz einmal hineinzugehen: Das gotische Interieur strahlt eine besondere Atmosphäre aus aufgrund der Ikonen des berühmten zeitgenössischen polnischen Malers Jerzy Nowosielski.

 

An das Gotteshaus grenzt ein barockes Klostergebäude, wo nun der Lehrstuhl für Sprachwissenschaften der Universität untergebracht ist.
Wir setzen den Rundgang jetzt fort und treffen auf die Piaskowa-Straße. Das Gebäude auf der anderen Straßenseite ist die Markthalle. Hinter der historischen Fassade sind parabolische Bögen aus Stahlbeton versteckt, eine erstaunlich leichte Konstruktion der Halle - das erste herausragende Werk der modernistischen Architektur in Breslau, geschaffen von den Architekten Richard Plüddemann und Friedrich August Küste in den Jahren 1906 - 1908.
Nun geht es nach links in Richtung der schon sichtbaren Sandbrücke. Die Brücke an dieser Stelle wurde schon Mitte des 12. Jahrhunderts erwähnt und gilt als älteste Überquerung mittels einer Brücke in Breslau. Dieser Transportweg bildete einen Teil der antiken, durch Breslau führenden Bernsteinroute, welche von der Adria bis zur Ostsee ging. In der jetzigen Gestalt stammt die Brücke aus dem Jahre 1861 und ist die älteste in Breslau erhalten gebliebene Stahlbrücke.




Sandinsel (Wyspa Piasek).

 

Wir überschreiten einen Arm des Oder-Flusses und befinden uns auf der Sandinsel (Wyspa Piasek). Das monumentale barocke Gebäude vor uns ist das ehemalige Augustianer-Kloster, welches nach der Auflösung des Ordens als Universitätsbibliothek diente. In diesem Gebäude war auch das letzte Hauptquartier der Festung Breslau untergebracht. Aufgrund von Bombardierungen brannte es aus. Nach dem Krieg wiederaufgebaut, beherbergt es die Sammlungen der Universitätsbibliothek. An den Klosterkomplex grenzt eines der prächtigsten Gotteshäuser des mittelalterlichen Breslaus - die gotische Augustianerkirche der Allerheiligsten Maria auf dem Sande. Die auf der anderen Straßenseite stehende Kirche ist die barockeSt. Annen-Kirche, welche momentan von den Breslauer Orthodoxen als orthodoxe Kirche, gewidmet den Heiligen Ciril, Methodius und Anna, genutzt wird. Hinter der Kirche auf dem Sande gehen wir rechts und gelangen zur Tumski-Brücke. Die Stein-Eisen-Brücke stammt aus dem Jahre 1890, ihre Brückenköpfe sind mit Figuren des heiligen Johannes des Täufers und der heiligen Hedwig verziert. Indem wir die Brücke überqueren, erreichen wir die Dominsel Ostrow Tumski.




Die Dominsel (Ostrow Tumski)

 

Die Dominsel (Ostrow Tumski) ist der älteste Teil Breslaus. Dieses Gebiet war bis 1824 eine Insel, bis man den Seitenarm in der Nähe des Domplatzes zuschüttete, so dass nur noch der traditionelle Name bis heute gebräuchlich blieb. Die erste mit Erdwällen umgebene Burg existierte hier schon im 8. Jahrhundert. Die Burg war der Sitz der Herzöge, die innerhalb ihrer Grenzen das erste Schloss erbauten. Gleichfalls machten im 11. Jahrhundert die Breslauer Bischöfe diese Insel zu ihrem Sitz und ließen den Dom errichten. Mit der Zeit zogen die Herzöge in das auf dem linken Ufer gelegene neue Schloss um, und im Jahre 1435 kam die gesamte Insel unter den Einflussbereich der Geistlichkeit. Sie wurde eine Art Breslauer Vatikan. In den Jahren 1504 -1810 herrschten die Bischöfe von Breslau autonom über die Insel, und es galt eine gesonderte Gesetzgebung unabhängig vom Stadtrecht. Ein Verbrecher, der die Tumski-Brücke überquert hatte, hatte quasi eine Staatsgrenze überschritten und konnte nicht mehr weiter von Organen der Stadt verfolgt werden. Die Ostrow-Tumski-Insel bleibt weiterhin der Sitz der Breslauer Erzbischöfe und ist darüber hinaus ein ruhiger, abgelegener Ort zum Spazierengehen, frei von Autoverkehr. Und neben allen Sehenswürdigkeiten gibt es dort auch Naturattraktionen in dem wunderbar gelegenen Botanischen Garten zu bestaunen.

 

Beim Überqueren der Tumski-Insel sehen wir auf der linken Seite den gedrungenen Körper der St. Peter-und-Paul-Kirche, deren Grundstein durch eine hier im 11. Jahrhundert stehende Kapelle gelegt wurde - der einzige erhalten gebliebene Rest des ersten an dieser Stelle stehenden Breslauer Herzogschlosses. In der heutigen Form ist die Kirche ein aus dem 15. Jahrhundert stammendes Architekturdenkmal. An die Kirche grenzt das ehemalige Waisenhaus, welches für arme adelige Jugendliche bestimmt war. Das barocke Gebäude mit Einflüssen der norditalienischen Architektur stammt aus den Jahren 1702 - 1715.

 

Wir kommen zum Kirchplatz mit der barocken Figur des heiligen Johannes Nepomuk. Den Norden des Platzes schließt das schlanke Bauwerk der Heiligen-Kreuz-Kirche ab, welche neben der Kathedrale die architektonische Hauptdominante auf der Ostrow Tumski bildet. Die für Breslau untypisch mit dem Grundriss eines Kreuzes gebaute Kirche wurde Ende des 13. Jahrhunderts vom Herzog Heinrich dem Gerechten gestiftet und war die erste zweistöckige Kirche in Schlesien. Die untere Kirche ist dem heiligen Bartholomäus gewidmet. Die obere Kirche war seit dem Jahre 1812 über hundert Jahre im Dienste der polnischen Gemeinde in Breslau. Zur Heiligen-Kreuz-Pfarrgemeinde gehörten damals größtenteils die von Polen bewohnten Dörfer der Umgebung.

 

Wir gehen nun die Domstraße entlang in Richtung der Breslauer Kathedrale. Die Gebäude auf beiden Straßenseiten gehören zur erzbischöflichen Kurie. Auf der rechten Seite mit der Hausnummer 14 befindet sich der etwas von der Straße zurückgesetzt liegende Bischofspalast, welcher der Sitz der Breslauer Bischöfe seit dem 13. Jahrhundert war. Wiederaufgebaut nach Bränden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, bekam das Gebäude einen klassizistischen Charakter. Heutzutage ist dort der Sitz der Päpstlichen Theologischen Akademie.




Die Johannes-der-Täufer-Kathedrale

 

Die Johannes-der-Täufer-Kathedrale stellt den letzten Besichtigungspunkt unseres Rundganges dar. Es handelt sich schon um das vierte Gotteshaus an dieser Stelle. Der Bau des Domes in seiner jetzigen Form wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts begonnen und vor dem Jahr 1350 abgeschlossen. Mit der Zeit wurde an die Kathedrale noch ein Kranz aus Kapellen herangebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Dom zu 75% zerstört. Trotzdem wurde schon im Jahre 1945 damit angefangen, das Gotteshaus wieder aufzubauen. Die Rekonstruktion dauerte zusammen mit dem Bau der auf die Türme neu aufgesetzten emporstrebenden Helme bis zum Jahre 1991. Die Türme erreichen mit den Helmen eine Höhe von 97 m. Auf dem nördlichen Turm befindet sich eine Aussichtsplattform, zu welcher man mittels eines in den Turm eingebauten Aufzuges gelangen kann. Durch das wunderschöne gotische Portal betreten wir das Gotteshaus.

 

Die Originalinneneinrichtung der Kirche ging während der Kriegshandlungen verloren. Der gotische Altar stammt aus einer zerstörten evangelischen Kirche in Berlin. Die Orgel wurde aus der Jahrhunderthalle hierher gebracht. Das dekorative Hauptelement im Inneren sind die zeitgenössischen Kirchenfenster. Geht man in die Unterkirche hinunter, kann man sich dort die Überreste von drei an dieser Stelle früher stehenden Kathedralen ansehen. Erwähnenswert sind auch die vor der Zerstörung geretteten Kapellen hinter dem Hauptaltar.

 

Auf der südlichen Seite befindet sich die St. Elisabeth-Kapelle vom Ende des 17. Jahrhunderts, deren Interieur das Werk italienischer Meister aus der Bernini-Schule ist. In der gotischen Mittelkapelle können wir das Renaissance-Grabmal des Bischofs Johannes Rotha bewundern - ein Meisterwerk von Peter Fischer aus Nürnberg. Den größten Eindruck hinterlässt allerdings die Nordkappelle, genannt Kurfürstenkapelle - entworfen vom Wiener Hofarchitekten Fischer von Erlach Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Kapelle ist ein Meisterwerk der barocken Sakralkunst. Für die Besichtigung der Kapellen ist es notwendig, sich bei der Ordensschwester in der Sakristei zu melden.

 

Im Schatten des Domes auf seiner nördlichen Seite befindet sich die kleine Agidiuskirche, das einzige bis heute erhalten gebliebene romanische Bauwerk Breslaus. Wenn man den Torbogen, der das Kirchlein mit dem daneben stehenden Gebäude verbindet, durchschreitet, kommen wir zum Diozösemuseum und zumBotanischen Garten. Ein Spaziergang oder eine kleine Pause im wunderbar unterhaltenen Garten kann nach den Mühen der Stadtbesichtigung eine nette Abwechslung darstellen.

 

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